Pop Music: Alan Parsons

Fischer Rocklexikon

Alan Parsons (20. 12. 1949)

Exzellente Ton- und Aufnahme-Qualität, melodramatisch aufbereitete, komplexe Themen und die professionelle Handhabung neuester Technologien machten den Reiz des ursprünglich nur fürs Studio gegründeten Unternehmens Alan Parsons Project aus. Mit wechselnden Musikern produzierte Parsons technisch perfekte Hitalben, die sich besonders gut in Deutschland verkauften. Er war „möglicherweise der erste Plattenproduzent, der mehr Anerkennung fand als die Künstler, die er produzierte“ (Rolling Stone).
      Bis 1985 verkaufte Parsons weltweit über 25 Millionen LP's, ohne - abgesehen von einigen Gitarrengriffen - daß er ein Instrument beherrschte und ohne das Project ein einziges Mal live zu präsentieren. Der „Musik-Organisator“ (Alan Parsons) diente sich vom einfachen Tontechniker zum Toningenieur hoch, der mit „Abbey Road“ von den Beatles sein erstes Meisterstück 1969 ablieferte. 1973 wurde er für Pink Floyds Album „The Dark Side Of The Moon“ als bester Toningenieur für den Grammy nominiert.
      Durch diesen Erfolg ermutigt, begann Parsons verstärkt, selbst Platten zu produzieren, darunter für John Miles, die Hollies, Pilot, Al Stewart und die US-Gruppe Ambrosia. Ende 1974 tat er sich mit seinem langjährigen Partner, Sänger, Texter und Keyboarder Eric Woolfson zusammen, der bis dahin schauerliche Pop-Eintagsfliegen wie „Kung Fu Fighting“ von Carl Douglas betreute. Das Team benötigte zwei Jahre, um „Edgar Allan Poes Träume und Visionen des Grauens zu vertonen“ (Eric Woolfson). „Tales Of Mystery And Imagination“ erschien im Frühjahr 1977 und verkörperte „eine Mischung aus europäischem Rock und Sinfoniesound“ (Billboard).
      Um die für Parsons typischen Soundcollagen zu realisieren, waren fast 300 Musiker an den Produktionen beteiligt. Der Studio-Magier besetzte jeden Song neu, um so eine klangliche Vielfalt zu erreichen. Dritter Mann im Project-Bund war der Arrangeur und Dirigent Andrew Powell. Neben Woolfson wurden Arthur Brown, John Miles und Terry Sylvester von den Hollies als Leadvokalisten engagiert.

The Alan Parsons Project: Tales of Mystery and Imagination (Front Cover)The Alan Parsons Project: Tales of Mystery and Imagination (Back Cover)

 

     Daß sich die „Mischung aus Literatur, Rock und Sinfonik“ (Stern) glänzend verkaufen ließ, belegte spätestens im Sommer 1977 das Album „I Robot“ mit den Singles „I Wouldn't Want To Be Like You“ und „Don't Let It Show“. Diesmal lieferte der Schriftsteller Isaac Asimov die Vorlagen für futuristische Klangvisionen einer Science Fiction-Welt. Parsons blieb bei der „cleveren, abwechslungsreichen und gut gemachten Platte“ (Sounds) seinem Prinzip der Gastsänger treu und holte u .a. Steve Harley und Allan Clarke (Hollies) in sein Studio. Mit einem fast manischen Hang zum Detail nutzte er die technischen Möglichkeiten konsequent aus und realisierte auf der Basis von Woolfsons tiefgründigen Texten Konzeptwerke aus der Sicht des Beobachters und Kommentators.
      Der plötzlich aufkommende Pyramiden-Mythos lieferte Parsons den Anstoß zur 78er LP „Pyramid“ mit Gaststar Colin Blunstone (voc) und dem ehemaligen Marmalade-Sänger Dean Ford. In der bekannt präzisen Manier vertraute Parsons auf sein „außergewöhnliches Fingerspitzengefühl für Atmosphäre, Klänge und Klangverbindungen“ (Musik Express). Die Musikpresse - vor allem in der britischen Heimat - reagierte sehr distanziert auf den hoch technisierten, konzertanten Keyboard-Pop und den exzessiven Einsatz von Elektronik; trotzdem verkauften sich die Parsons-Platten weiterhin sehr gut. „Pyramid“ wurde in Deutschland ebenso wie „Tales Of Mystery And Imagination“ mit Platin ausgezeichnet. Die „technisch verblüffenden Ton-Dokumente“ (Musik Express) richteten sich auch in Zukunft an ein Publikum, das „zwei Jahre und länger auf neue Pink Floyd-Platten warten mußte“ (Melody Maker).
      1979/1980 etablierte sich Alan Parsons mit den Alben „Eve“ und „The Turn Of A Friendly Card“ sowie den Hits „Damned If I Do“, dem Instrumental „Lucifer“, „Games People Play“ und „The Gold Bug“. 1982 gab er die Konzept-Methodik erstmals bei „Eye In The Sky“ auf. Da Parsons und sein kongenialer Dauerpartner Woolfson nun verstärkt für die Charts produzierten, klang ihre Musik jetzt eher steril. Ihr Sound wurde zum „unverkennbaren Markenzeichen von Diskotheken und Hifi-Ausstellungen“ (Stern). In den USA wurden mit Erfolg „Eye In The Sky“ und „Psychobabble“ ausgekoppelt.
      Sehr zurückgezogen verwirklichte der stets bescheiden, fast scheu auftretende Parsons nach zweijähriger Pause sein 84er Album „Ammonia Avenue“. Gänzlich ohne Aufsehen, nach wie vor ohne Live-Präsenz und mit weiterhin wechselnden Begleitern, bestätigte das Alan Parsons Project bis 1987 mit den LP's „Vulture Culture“, „Stereotomy“ und „Gaudi“ seine Hitqualitäten. In den Singlecharts plazierten sich „Prime Time“, „Let's Talk About Me“ und „Days Are Numbers“.
      „Gaudi“ war wieder ein Konzept-Album über das Leben des katalanischen Architekten Antonio Gaudio. Parsons folgte Gaudi's Motto: „Die organische Welt kennt keine gerade Linie“. Er übertrieb mittlerweile seine Kunstfertigkeit als Studiotüftler und produzierte diesmal heiße Luft.
      Nach einer erneuten, nunmehr fast vierjährigen Pause, befaßte sich Parsons 1990 auf „Freudiana“ mit der Psychoanalyse Sigmund Freuds. Das Musical erzählte die Geschichte eines gehemmten Menschen namens Eric und wurde unter der Regie des Österreichers Peter Weck am 19. 12. 1990 im Theater an der Wien uraufgeführt. An der Studiofassung beteiligten sich u. a. Leo Sayer, John Miles, Marti Webb (voc) und Eric Stewart (Ex-10 CC).
      Zum ersten Mal ohne Woolfson, dafür mit Chris Thompson (Manfred Mann) als Leadsänger erschien 1993 das Album „Try Anything Once“. „Die neuen Songs“, fand der Musik Express, „sind weniger sperrig als seine Konzeptsongs der späten 80er Jahre. Parsons hat wieder ein Werk vorgelegt, das von beträchtlichem Einfallsreichtum zeugt“.
      Im Herbst 1996 erschien mit „On Air“ ein weiteres Konzeptwerk, das auf der Basis von Computerklängen die Geschichte der Luftfahrt erzählte. Ian Bairnson (g), Stuart Elliot (dr) und verschiedene Vokalisten, darunter Al Stewart und Christopher Cross, unterstützten den Klangtüftler, dem hörbar die Ideen ausgingen und der sich offenbar nur noch auf Zitate früherer Arbeiten beschränkte.
      Im Sommer 1997 wurde Parsons Vize-Präsident der „EMI Studios Group“ und leitete u. a. in London die Abbey Road und Olympic Studios. Er gab den Posten jedoch nach neun Monaten wieder auf, um sich auf das Album „The Time Machine“ zu konzentrieren, das in Sommer 1999 in die Läden kam. Er scheute musikalisches Neuland und vertraute auf den für ihn typischen ausgefeilten Wohlklang. Zu den Gastvokalisten gehörten diesmal Colin Blunstone und Ex-Spandau Ballet Tony Hadley.

Diskographie

Tales Of Mystery And Imagination (1976)
I Robot (1977)
Pyramid (1978)
Eve (1979)
The Turn Of A Friendliy Card (1980)
Eye In The Sky (1982)
The Best of Alan Parsons (1983)
Ammonia Avenue (1984)
Stereotomy (1985)
Vulture Culture (1985)
Gaudi (1987)
The Ultimate Collection (1987)
Limelight - The Best of Alan Parsons Vol. 2 (1987)
Instrumental Works (1988)
Freudiana (1990)
Anthology: Alan Parsons (1991)
Freudiana - Deutsche Originalaufnahme (1991)
Try Anything Once (1993)
On Air (1996)
The Time Machine (1999)

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