Donovan * 10. 5. 1946
Das
europäische Äquivalent zu Bob Dylan verpackte seinen
Pop-Minnegesang zwischen Friendensbotschaften, Räucherstäbchen,
LSD-Trips, fernöstlichen Philosophien, Löwenzahntee, silbernen
Pentagrammen und scheinbar ewiger krausköpfiger Jugendlichkeit. Wichtige
Songs der 60er Jahre wie Catch The Wind, Universal Soldier,
Hurdy Gurdy Man und Mellow Yellow gingen auf das
Konto des Straßenmusikanten, Protestlers, Cosmic-Rockers und Mainstream-Balladeurs.
Die scharf-sanften Anti-Kriegs-Lieder, die mystischen, Märchen-ähnlichen
Erzählungen und die leidenschaftlichen Statements für Mutter
Erde machten den Song-Poeten und seine schlicht und ergreifend
ehrlichen Vor-träge (Musik Express) zeitweise zu einem
künstlerischen Führer der 68er- und Hippie-Generation.
Die Bühne dominierte Donovan mit viel
Charisma und einer direkten, freundlichen Ansprache. Die ihm eigene, beruhigende
Ausstrahlungskraft und die träumerischen Songs verbanden sich zu
einer Art Seelenbalsam für jedermann. Donovan polterte nicht wortgewaltig
und kämpfte nicht lautstark wie seine amerikanischen Singer/Songwriter-Kollegen,
sondern hoffte bescheiden und leise in sympathischen Liedern auf eine
bessere Welt.
Musikalisch veränderte er seinen Stil
ständig. Anfangs inspirierte ihn der eher konventionelle Folk eines
Woody Guthrie. Dann setzte er auf die psychedelische Welle und
verarbeitete Drogenerfahrungen. Donovan folgte dem Meditations-Boom aus
Fernost, suchte als Cosmic-Rocker nach neuen Wegen und vertraute schließlich
wieder auf seinen melancholisch-melodischen Balladen-Pop.
Geboren am 10. 5. 1946 als Donovan Phillip
Leitch im schottischen Maryhill, nahe bei Glasgow, arbeitete er nach dem
College-Abbruch in einem Kunstatelier in St. Ives, in der englischen Grafschaft
Cornwall. Mit dem Kazoospieler Gypsy Dave begann er 1964 in den
Badeorten an der südenglischen Küste durch Cafes und Kneipen
zu ziehen oder einfach auf den Straßen zu spielen.
Im Januar 1965 absolvierte er einige Demoaufnahmen
in London, um einen Auftritt in der populären TV-Show Ready
Steady Go! zu bekommen. Die Rechnung ging auf, Donovan wurde entdeckt
und unterschrieb bei Pye Records. Die Briten hatten ihren Bob Dylan.
Tatsächlich gab es einige Ähnlichkeiten. Auch Donovan trug vornehmlich
Jeans, hatte die Mundharmonika mit einem Gestell in Mundhöhe angebracht
und auf seiner Gitarre konnte man lesen: This Guitar Kills.
Auch Donovan sang mit nasalem Timbre und beschränkte sich auf Gitarrenbegleitung.
Donovan war sensibler, versponnener als
Dylan, nie der Kämpfertyp oder gar Agitator einer politischen
Jugendbewegung. Donovan blieb eher der bedrückte Chronist, der mit
einfachen und manchmal recht naiven Worten gegen Aufrüstung, Kriegsgefahr
und soziale Ungerechtigkeit antrat.
Genauso überzeugend berichtete der
konsequente Romantiker von skurrilen Begegnungen, seltsamen Geschöpfen,
Zauberern und Feen, von Naturerscheinungen und dramatischen Liebesgeschichten.
Donovan war ein liebens-werter Kauz, dem es wie einem Rattenfänger
gelang, seine Anhänger in den Bann zu ziehen. In seiner Persönlichkeit
und Laufbahn spiegelten sich die rasanten gesellschaftlichen Entwicklungen
der 60er Jahre mit ihren Trends und Symbolen wider.
Mit einem dunklen Wollmützchen auf
dem lockigen Haar, einer Friedensplakette auf der Gitarre und einem schüchternen,
fast weltfremden Image startete Donovan im März 1965 dank Catch
The Wind eine erfolgreiche Plattenkarriere. Catch The Wind
tauchte im gleichen Monat in den Charts auf wie Dylans Single-Debüt
The Times Tey Are A-Changin'. Donovan hatte seinen amerikanischen
Konkurrenten bei den Dreharbeiten zu dessen Tournee-Dokument Don't
Look Back von D. A. Pennebaker bereits kennengelernt.
Nach Catch The Wind folgten
die Top 10-Hits Colours und Universal Soldier
(von Buffy St. Marie geschrieben) und drei Hitalben: What's
Bin Did And What's Bin Hid, Fairytale und Universal
Soldier. In den USA jedoch hatten die Platten nur geringe Chancen.
Ende 1965 übernahm Mickie Most
das Management und war maßgeblich daran beteiligt, daß Donovan
den reinen Folk-Kontext aufgab, um experimentierfreudiger auf dem weiten
Pop-Feld zu arbeiten. Das erste Ergebnis, Sunshine Superman,
erschütterte weltweit die Charts. Ursprünglich hatte der Song
For John And Paul heißen sollen.
Im Dezember 1966 schaffte Mellow
Yellow, mit Paul McCartney als Gastsänger, in den USA
sogar Platz eins. Donovan gestaltete seine Songs nun rockiger und nutzte
Verfremdungseffekte des Pyschedelic Rock. Er machte in diesen Tagen auch
aus seinem Drogenkonsum kein Geheimnis.
Er pendelte mittlerweile mit Ehefrau Linda
zwischen einem eigenen Schloß auf der schottischen Insel Skye und
einem Domizil in Los Angeles hin und her, buchte aber in der Regel die
Studios in der englischen Heimat. Unter seinen Stargästen waren Jack
Bruce (Wear Your Love Like Heaven), Jeff Beck (Barabajagel)
und Peter Frampton (Essence To Essence).
There Is A Mountain, Jennifer
Juniper, Hurdy Gurdy Man, sowie die US-Bestseller Lalena
und Atlantis hielten Donovan bis zum Sommer 1969 konstant
unter den Top 10. Doch nach dem bombastischen Epos Atlantis
ließ die Nachfrage deutlich nach. Die Zusammenarbeit mit der Jeff
Beck Group bei Riki Tiki Tavi blieb ähnlich erfolglos
wie die Kooperation mit dem Celtic-Rock-Trio Open Road bei der
gleichnamigen LP, obwohl die meisten Lieder nach wie vor die für
Donovan charakteristische, schmeichlerische Sanftheit ausstrahlen
(Sounds).
Open Road setzte sich aus John
Carr (dr, perc), Mike O'Neill (p, voc) und Mike Thomson
(g, b, voc) zusammen. Donovan wollte mit dieser Gruppe noch stärker
ins Rock-Genre einsteigen und präsentierte seine Verwandlung neben
Led Zeppelin und Pink Floyd am 28. 6. 1970 beim Progressive
Music Festival in Sheptonmallet, Somerset, in der Nähe von
Bath.
Nachdem die Single Celia Of The Seals
durchgefallen war, widmete sich Donovan 1971 fast ausschließlich
seinen ersten Gehversuchen als Schauspieler in der Titelrolle von Jacques
Demys Film The Pied Piper. Mittlerweile in Irland lebend
komponierte er im Jahr darauf für Franco Zefferelli den Soundtrack
zu Brother Sun, Sister Moon. Außerdem tourte er mit
der Folkrockgruppe Planxty durch Großbritannien.
Am Ende des Jahres tat er sich noch einmal
mit Mickie Most zusammen und produzierte seinen letzten künstlerischen
Höhepunkt Cosmic Wheels. Zur Sessionband gehörten
u. a. Chris Spedding und Cozy Powell. Das brillante Album
erreichte sowohl in England, als auch in den USA Top 20-Notierungen und
beinhaltete mit I Like You den letzten Singlehit von Donovan.
Diesen Erfolg nicht nutzend erstarrte Donovan
in anachronistischen Posen und beschränkte sich nun zumeist auf brave,
einfallslose und melodiearme (Sounds) Balladen. Dem
biederen Späthippie-Werk Essence To Essence folgte der
katastrophal amerikanisierte Versuch 7-Tease, der in der Country-Metropole
Nashville entstand. Mit ebenso neuen wie ungewohnten Zutaten wie Salsa-Beat,
Reggae-Ryhthmik und Jazz-Elementen strebte er bei Slow Down World
einen musikalischen Fortschritt an. Schließlich landete der desorientierte
Musiker mit dem Album Donovan wieder bei seinem erfolgreichen
Konzept, der frühen 60er Jahre.
Die Rückkehr in die großen Rock-Arenen
mißlang 1977 im Vorprogramm von Yes, als seine Klassiker
wie Hey Gyp, The Fat Angel oder Season Of
The Witch nur noch mit höflichem Beifall bedacht wurden. Als
im Januar 1978 die Single Dare To Be Different überhaupt
nicht ankam, nahm sich Donovan eine Auszeit bis zum Sommer 1980.
Ausgestattet mit einem neuen Plattenvertrag
produzierte er nun ausschließlich für den europäischen
Kontinent. Sein zartes Organ schwebte unverändert mit langgezogenem
Vibrato über den akustischen Gitarren-Klängen (Welt)
und ermöglichte seinen treuen Anhängern einen verklärten
Blick in die Vergangenheit. Donovan war wieder regelmäßig auf
Tour und obwohl seine Platten kaum noch Interessenten fanden, blieb er
als Flower Power-Veteran im Gespräch.
Seine Arbeiten in den 80er Jahren blieben
zwar bemerkenswert freundlich (Rolling Stone), waren
aber durchweg dutzendfach erprobte Phrasierungen. Der Durchhalter
mit der Blumenklampfe (Musik Express) wurde nur noch auf
Oldies-Revivals vorgeführt.
Ein ernsthaftes Comeback deutete sich 1991
an, als die Happy Mondays seine Lieder entdeckten und ihn zu einer
gemeinsamen England-Tour einluden. Im Jahr darauf stellte er auf einer
38 Städte umfassenden Deutschlandtournee seine 20jährige Tochter
Astrella dem Publikum vor.
Rick Rubin ermöglichte Donovan
1996 bei seinem Label American Recordings ein Comeback und produzierte
die leisen Lieder von Sutras. Der seit 25 Jahren mit Linda
Lawrence verheiratete und seit vielen Jahren in Irland lebende Barde
hatte in der Vorbereitung auf sein neues Album rund 100 Songs geschrieben.
Die besten suchte er für Sutras (Hindu-Sinnsprüche)
aus: Ich lese viel, beschäftige mich mit Mystizismus und Geschichte,
reise gern und halte mich in der Natur auf. Zudem bin ich seit 1965 Anhänger
der buddistischen Lehre (Donovan). Der Althippie schwankte zwischen
Balladen (Please Don't Bend), Versen der griechischen Dichterin
Sappho (Be Mine), Novellen
von Edgar Allan Poe (El Dorado) oder indianischen
Klängen (High Your Love).
Diskographie
Colours (1965)
What´s Bin Did And What´s Bin Hid (1965)
Fairytale (1965)
Catch The Wind (1965)
Sunshine Superman /1966)
Mellow Yellow (1967)
For Little Ones (1967)
Wear Your Love Like Heaven /1967)
In Concert (1968(
A Gift From A Flower To A Garden (1968)
Hurdy Gurdy Man (1968)
Barabajagal (1968(
Greatest Hits (1969)
Open Road (1970)
HMS Donovan (1971)
This Is Donovan (1972)
Essence To Essence (1973)
Cosmic Wheels /1973)
7-Tease (1974)
Slow Down World (1976)
Donovan (1976)
Love Is Only Feeling (1981)
Neutronica (1982)
Lady Of The Stars (1983)
Sutras (1996)
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