Pop Music: Misfits

Fischer Rocklexikon

Misfits

Biscuits (dr), Christ (g), Glenn Danzig (g, voc), Eeri Von (b)

Der Sänger Glenn Danzig hatte bereits 1977 mit der Gruppe Misfits eine erste Single veröffentlicht. Neben ihm gehörten Jerry Only (b), der spätere Undead-Gitarrist Bobby Steele (g) und Joey Image (dr) zur frühen Besetzung. Das Quartett übernahm sofort eine führende Rolle in der New Jersey-Hardcore-Szene und erinnerte an selige Punktage der CBGBs-Ära. Soundmäßig an die Ramones und an die frühen Damned angelehnt, sah die Band aus, als wenn sie einem Kiss-Horror-Film entstiegen wäre. Als Texter und Sänger erging sich Glenn Danzig in „düsteren Panoramen, auf Endzeitstimmung getrimmt. Er hob sich schon damals durch seine eindringliche Poesie von der Konkurrenz ab, und er hatte Humor, wenn auch einen ziemlich bösartigen“ (Pressetext).
      Nach einigen Single-Veröffentlichungen wie „Bullet“ und „Horror Business“ faßten die Misfits sie auf der hervorragenden EP „Beware“ zusammen: „Eine großartige Mischung aus eingängigen Power-Akkorden, schrecklich wilden Texten und dem spezifischen Bass-Organ des Glenn Danzig“ (Trouser Press). Zwar wurde „Beware“ kein großer Erfolg, aber die Misfits konnten eine Tournee antreten, um sich in der US-Independent-Szene einen „guten Ruf als Böse-Buben-Band zu erwerben“ (Melody Maker).
      Ihre Musik entwickelte sich von Hardcore über Horror-Punk bis hin zum sogenannten Slam-Trash. Das 82er-Album „Walk Among Us“ enthielt die für die Misfits klassischen Titel wie „Astro Zombies“, „Skulls“, „Vampira“ oder „Mommy, Can I Go Out And Kill Tonight?“. Das Album wurde von US-Kritikern als Meilenstein des Hardcore bewertet: „Packender, melodischer Punk“ (Spin).
      Die EP „Evilive“, später als komplettes Album veröffentlicht, wurde 1981 in New York und San Francisco aufgenommen und bestand in der Hauptsache aus den Live-Titeln des „Walk Among Us“-Albums. Bei einem Titel war Henry Rollins als Gastsänger zu hören.
      „Earth A.D.“/„Wolfsblood“ von 1983 erwies sich „unglücklicherweise als ein Schritt in die falsche Richtung“ (Trouser Press). Die Studioproduktion hatte den Misfits viel von ihrer Live-Power genommen. Außerdem klang Danzigs Stimme indisponiert, und das schnellere Tempo nahm den Songs die Härte. Das Album galt als „enttäuschendes Finale“ (Time Out). Neben Danzig und Only gehörten Doyle (g) und Robo (dr) zu dieser letzten Besetzung.
      Der Sampler „Legacy Of Brutality“ war ein Sammlung von Studio-Outtakes und alternativen Versionen bekannter Songs und enthielt „einige der besten Augenblicke der Misfits“ (Trouser Press).
      Nach der Trennung des Quartetts verlor Glenn Danzig keine Zeit und gründete 1984 die Band Samhain, benannt nach einem überlieferten Herbstritual der Druiden, auf das das US-amerikanische Halloween zurückgeht. Mit dabei war Schlagzeuger Eerie Von, der allerdings den Baß bediente, und Ex-Minor Threat Lyle Preslar (g). Auf dem Debüt „Initium“ besann sich Danzig auf seine Punkwurzeln, gewürzt mit Metal- und Gloom-Rock.
      Die EP „Unholy Passion“ mit unüberhörbaren Gothic-Einflüssen hätte ein Erfolg werden können, aber eine „abgrundtiefe schlechte Produktion“ (brit. Sounds) verhinderte dies. Als neuer Gitarrist fungierte Pete Damian Marshall, der einen dominanten, dröhnenden Sound erzeugte. Das Album „November - Coming - Fire“ enthielt einige atmosphärisch gelungene Balladen von Samhain. Die schwereren Metal-Songs dokumentierten den inhaltlichen Wandel des Songwriters Danzig: „der Horrorengel ist out, heidnische Religionen sind in“ (Trouser Press), und zeichneten damit die Entwicklung zu Danzig vor. Die 90er-LP „Final Descent“ enthielt u. a. eine hervorragende Fünf-Titel-Session von 1987 mit dem späteren Danzig-Gitarristen Christ.
      Ende 1986 gingen Samhain auseinander. Jerry (b) und Doyle (g) bildeten mit einem Sänger und dem Skid Row-Gitarristen Dave Sabo die kurzlebige Band Kryst The Conquerer, die nach der 89er-EP „Deliver Us From Evil“ bereits wieder aufgab. Glenn Danzig schrieb für den Film „Less Than Zero“ (Unter Null) den Titel „Life Fades Away“, der von Roy Orbison gesungen wurde. Außerdem hatte er in der Zwischenzeit an Songs für Metallica gearbeitet.
      Mit Hilfe des Produzenten und Def Jam-Mitinhabers Rick Rubin wurde 1988 die Gruppe Danzig ins Leben gerufen und gab bereits am 6. Mai ihr Live-Debüt im New Yorker Ritz. „Ich mochte nie den Kram, den Glenn mit den Misfits oder Samhain veranstaltet hatte. Die Misfits waren mir einfach zu platt, Samhain zu unentschlossen - irgendwo auf diesem brüchigen Crossover-Pfad zwischen Hardcore und Metal. Was ihm fehlte, waren brillante Musiker, die sein Genie erkannten. Er ist einfach ein großartiger Sänger und eine besonders starke Persönlichkeit“ (Rick Rubin). Darüber hinaus ist Glenn Danzig ein begnadeter Songwriter und ein außergewöhnlicher Gitarrist. Seine Texte entstanden unter dem Einfluß von Edgar Allan Poe und Charles Baudelaire.
      Danzig avancierten zu einer „knusprigen Kreuzung aus Doors, Misfits und Black Sabbath'“ (Trouser Press). Mit der Unterstützung einer echten Band klang die Stimme von Danzig klarer und dominanter als je zuvor. Neben ihm gehörten noch der brillante Metal-Gitarrist Christ (* 19. 2. 1965, Baltimore), der ehemalige Misfits-Kollege Eeri Von (* 25. 8. 1964, New Jersey) und „der beste Punk-Rock-Schlagzeuger aller Zeiten“ (Time Out) Biscuits (D. O. A, Black Flag, Circle Jerks) dazu. „Wir haben mehr als nur Rock & Roll und Killersongs zu bieten. Wir wissen um die Wirkung dramatischer Elemente, und wir sprechen eine bildhafte Sprache. Wir erzählen garantiert keinen Blödsinn“ (Glenn Danzig).

Diskographie

Walk Among Us (1982)
Earth A. D. / Wolfsblood (1983)
Best Of Misfits (1986)
Legacy Of Brutality (1987)
Evilive (1987)

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