Peter Hammill (5. 11. 1948)
Peter
Hammill, Komponist, Texter, Sänger, Gitarrist, Pianist, Arrangeur
und Produzent in Personalunion, schrieb als 15jähriger seine ersten
Lieder. 1967 gründete er an der Universität von Manchester das
eigenwillige, avantgardistische Rock-Ensemble Van Der Graaf Generator,
das bis 1976 existierte und von Hammill mehrfach umbesetzt werden mußte.
Wirtschaftliche Gründe waren dafür verantwortlich, daß
die Band immer wieder einen Neuanfang riskieren mußte und trotz
des fortschrittlichen Sounds am Ende nie über Geheimtip-Niveau hinauskam.
Ähnliche Probleme hatte der anspruchsvolle
Solist Peter Hammill ab 1972 mit seinen zahlreichen Produktionen, die
nur von einer eingeschworenen, wenn auch individualistisch-vereinzelten
Sekte (Sounds) akzeptiert wurden. Als Begleiter konnte er
immer wieder seine Generator-Kollegen Nic Potter und Guy Evans
gewinnen, die auch bei den seltenen Tourneen und Konzerten an seiner Seite
agierten. In der Regel arbeitete der Einzelgänger der intellektuellen
britischen Musikszene völlig autark im heimischen Sofa Sound Studio
und bereitete die Aufnahmen soweit vor, daß sie in anderen Studios
von unterschiedlichen Musikern nur noch synchronisiert werden mußten.
Getragene Jazzrock-Themen und psychedelische
Dissonanzen mischten sich mit klaren Rock-Strukturen zu einem Schwermut
für Insider (Rock Dreams), bei dem Hammill inhaltlich
die apokalyptischen Schattenseiten der modernen Gesellschaft skizzierte
und kritisierte. Er machte alltägliche Ängste und Horror-Visionen
von einer wenig freundlichen Zukunft zu seinen Anliegen, um mit überwiegend
kühlen Sounds einen philosophischen Einblick in die Widersprüche
unserer Zeit zu geben. Diese Botschaften wurden häufig mißverstanden
und brachten ihm fälschlicherweise den Titel King Of Fear
ein. Der Musiker verstand seine introvertierten Alben als Selbst-Therapie
(Peter Hammill) und befaßte sich in diesem Zusammenhang gründlich
mit weißer Magie.
Hammills Platten kamen über Achtungserfolge
nie hinaus; denn er gestaltete sie grundsätzlich herb, sperrig,
konsequent antikommerziell (Audio). Sein Status als Kultfigur,
die zurückgezogen im westenglischen Bath lebte, blieb dabei stets
unumstritten. Nach der Mitarbeit bei LP's von Robert Fripp und
Peter Gabriel zeigten die Medien zu Beginn der 80er Jahre wieder
größeres Interesse an den Arbeiten des Exzentrikers. Nach einer
überraschend erfolgreichen Deutschlandtournee bemühte sich Hammill
um mehr Transparenz und Zugänglichkeit bei seinen Alben. Sein Sound
wurde schmuckloser und gradliniger. Aber er schuf weiterhin komplexe,
im Detail häufig fremdartige, unspektakuläre Platten, die oft
genug auf lyrischen, geheimnisvollen Klang-Collagen basierten.
1983 tourte Peter Hammill mit Guy Evans,
Nic Potter, John Ellis (g) und David Jackson (sax),
denen er den Namen K Group gab und die sich auf dem 1985 veröffentlichten
Live-Doppelalbum Peter Hammill & The K Group vorstellten.
Überdurchschnittliche Plattenumsätze blieben Hammill weiterhin
versagt, auch wenn er nunmehr in einer verständlichen Rock-Dramaturgie
und machtvollen Synthesizer-Arrangements alle Register seiner Songwriter-Qualitäten
zog (Musik Express).
Bei Skin ließ der außergewöhnliche
Multi-Instrumentalist vergangene Van der Graaf-Tage wieder aufleben. Die
ständigen Tempiwechsel und besonders der zehn Minuten lange Song
Now Lover erinnerten an die einst so innovative Band. Hammill
änderte noch im gleichen Jahr bei And Close As This seinen
Stil wieder radikal. Das Album, das in nur einem Monat entstand, fiel
möglicherweise zu egoistisch aus (Time Out), verdiente
aber aufgrund der musikalischen Schlichtheit Aufmerksamkeit
(Stereoplay).
Eine längere Produktionspause bekam
dem Eigenbrötler nicht gut. Bei den raren Auftritten wirkte seine
neue Richtung (Peter Hammill) als Piano-Solist wie die
letzten Zuckungen eines ehemaligen Avantgardisten (Time Out).
Die ehemals kräftige Stimme klang dünn und rutschte des öfteren
in die falsche Tonlage. Seine Bemühungen mit Hilfe der sogenannten
Midi-Technik und einer Reihe von Musikcomputern neue Kommunikationsmöglichkeiten
zur erforschen (Peter Hammill) dokumentierte er 1988 mit den LP's
Spur Of The Moment und In A Foreign Town. Hammill
führte die Tradition der Improvisation mit den Segnungen der
Computer-Technologie neuartig (Stereo) zusammen und erzeugte
mit seinen Maschinen einen authentischen Band-Eindruck.
1991
bezog sich Hammill in enger Kooperation mit Chris Smith bei The
Fall Of The House Of Usher auf den Horror-Klassiker von Edgar
Allen Poe. Chris Smith verfaßte das Libretto für
ein gotisch-düsteres Mysterium voll dräuender Keyboard-
und Synthie-Sounds (Audio). Im Jahr darauf transportierte
Fireships in nahezu kammermusikalischer Form sinfonischen
Rock mit nachdenklichen Texten (Stereo). Neben den Musikcomputern
vertraute Hammill diesmal auch wieder auf die Begleitung von Nick Potter,
David Jackson, John Ellis (g) und Stuart Gordon (vi).
Ohne Gordon ging Hammill 1993 mit
The Noise wieder auf Rock-Kurs und verzichtete auf die bei
ihm übliche stilistische Bandbreite, zu Gunsten von richtig
rockenden, leider etwas technisch klingenden Songs (HiFi Vision).
Ein Jahr später mischte er bei Roaring Forties spektakulär
rauhe Gitarren, heftige Drums, stimmige Violinen und schneidende
Saxofone (Musik Express).
Fern jeglicher Modeströmung behauptete
sich Hammill auch Anfang 1996 mit X My Heart als Vertreter
einer komplexen, fortschrittlichen Rockmusik, die zuweilen auf aufwendige
Streicherarrangements zurückgriff. Sein langjähriger Freund
Robert Fripp erklärte Hammill's Bedeutung: Er hat für
den Gesang getan, was Hendrix für die Gitarre tat. Der
so Gelobte brillierte 1997 gleich mit zwei Alben. Improvisierte, progressive
Musik dominierte im Mai 1997 das am 3. 11. 1996 mitgeschnittene The
Union Chapel Concert, das Hammill mit dem Drummer Guy Evans
aufnahm. Höhepunkt des Albums war das Van der Graaf Generator-Stück
Lemmings, bei dem erstmals seit 20 Jahren wieder die klassische
Besetzung der Band zusammenkam.
Everyone You Hold wurde im
Dezember 1997 veröffentlicht. Wie für Hammill typisch entzog
sich die anspruchsvolle Freistilplatte (Musik Express)
jeder Form von Kategorisierung. Ende 1998 balancierte er das Album This
zwischen Solo- und Bandaufnahmen aus und lieferte 49 kurzweilige
Minuten für den Liebhaber ernsthafter, zeitgenössischer Musik
(Musik Express).
Diskographie
Fools Mate (1972)
Chameleon In The Shadow Of The Night (1973)
The Silent Corner & The Empty Stage (1973)
In Camera (1974)
Nadir´s Big Chance (1975)
Over (1976)
The Future Now (1978)
PH 7 (1979)
Modern (1979)
A Black Box (1980)
Sitting Targets (1981)
Enter K. (1982)
Patience (1983)
Peter Hammill & The K Group (1985)
The Love Songs (1985)
And Close As This (1986)
Skin (1986)
In A Foreign Town (1988)
Spur Of The Moment (1988)
Out Of Water (1990)
The Fall Of The House Of Usher (1991)
Fireships (1992)
The Noise (1993)
Roaring Forties (1994)
X My Heart (1996)
Sonix (1996)
Everyone You Hold (1997)
The Union Chapel Concert (1997)
This (1998)
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