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Was ist Gestalttheoretische Psychotherapie (Teil 2) |
| (Kurzinformation der ÖAGP für Psychotherapie-Interessierte) |
| Die Bezeichnung "Gestalttheoretische Psychotherapie"
(GTP) besagt nicht, dass es in dieser Therapie "theoretisch"
zugeht. Der Name weist darauf hin, auf welchem wissenschaftlichen
Ansatz diese höchst praktische Therapiemethode beruht. Dieser
Ansatz ist die "Gestalttheorie der Berliner Schule", die
vor ungefähr hundert Jahren etwa zeitgleich mit der Psychoanalyse
die Psychologie im deutschsprachigen Raum revolutionierte. [Fußnote 1] |
| GTP ist nicht einfach nur eine Spielart der Gestalt-Therapie,
von der es heute auch in Österreich unterschiedliche Variationen
gibt. Sie ist vielmehr eine eigenständige wissenschaftlich
begründete Therapiemethode und als solche auch anerkannt. In
die therapeutische Arbeit werden überprüfte Erkenntnisse
und erprobte Techniken verschiedener Therapieformen so integriert,
wie es für den individuellen Patienten und die jeweilige Situation
gerade angemessen ist. Dafür erlernen Gestalttheoretische PsychotherapeutInnen
in ihrer Ausbildung sowohl gestalt-therapeutische, als auch psychodramatische,
gesprächstherapeutische, verhaltenstherapeutische und andere
psychotherapeutische Interventionstechniken und Arbeitsmethoden
sowie deren theoretischen Hintergrund und die Voraussetzungen und
Wirkungen ihres Einsatzes im Rahmen der GTP. [Fußnote 2] |
| In der GTP erwartet Sie kein im voraus festgelegtes,
einheitliches Schema des Ablaufs und der Arbeitsweise. Die Psychotherapeutin
(im weiteren verwenden wir hier die weibliche Form, gemeint sind
beide Geschlechter) wird vielmehr mit Ihnen gemeinsam herauszufinden
versuchen, was für Sie in Ihrer jeweiligen Situation gerade
am hilfreichsten ist und welche Arbeitsweise Ihnen beiden am besten
für die gemeinsame therapeutische Arbeit entspricht. [Fußnote 3] |
| So wenig die GTP also auf einen bestimmten Ablauf
und bestimmte Arbeitstechniken fixiert ist, so lassen sich doch
grundlegende gemeinsame Eigenheiten und Kennzeichen dieser Therapieform
nennen: |
- Wie hilflos und Ihrem Leiden ausgeliefert auch immer Sie sich
derzeit fühlen mögen: Ihre Therapeutin geht davon
aus, daß die für die Bewältigung Ihrer derzeitigen
Probleme erforderlichen Kräfte und Fähigkeiten in
Ihnen selbst angelegt sind. Sie wiederzuentdecken, freizulegen
und zu entwickeln ist die Aufgabe der Therapie. Sie werden in
der GTP also nicht einseitig "behandelt", sondern
bei der Entfaltung der Möglichkeiten zur Selbstheilung
unterstützt.
- Natürlich hat auch Ihre jetzige schwierige Situation
ihre Vorgeschichte. In der GTP geht es jedoch nicht darum, eine
historische Ursache Ihrer derzeitigen Situation herauszufinden.
Vielmehr werden Sie in der Therapie mit Ihrer Therapeutin sorgfältig
erkunden, was Ihre derzeitige Situation bestimmt - einschließlich
der heute noch für Sie wirksamen Erinnerungen und Bindungen
an Ihre Vergangenheit und Ihrer heute wirksamen Vorstellungen
von Ihrer Zukunft ("Hier-und-Jetzt"-Prinzip).
- Die GTP geht davon aus, daß Ihre Fähigkeit zu einem
erfüllten Leben, zur Bewältigung von Krisen und zur
Selbstheilung wesentlich davon abhängt, daß Sie lebendigen
Kontakt zu sich und Ihrer Umwelt halten können. Ihr Denken,
Ihre Gefühle, Ihre Intuitionen, Ihre Körperempfindungen
und Ihr Handeln sollten Ihnen wie alle Arten der Wahrnehmung
möglichst gut als Ganzes gegenwärtig und verfügbar
sein. Darauf, diese Fähigkeit zu schulen oder wiederzugewinnen,
wird daher in der GTP besonders geachtet.
- Nicht zuletzt deshalb wird auch in der Therapiestunde dem
unmittelbar Erlebten der Vorrang vor dem nur Gedachten, Erinnerten,
Nacherzählten oder für die Zukunft Angenommenen gegeben.
Auch wenn Sie in der Therapie Vergangenes oder Zukünftiges
zur Sprache bringen, werden Sie in der GTP daher dazu angeleitet
werden, es "in die Gegenwart zu holen" (also z. B.
so zu erzählen und zu behandeln wie ein hier und jetzt
stattfindendes Ereignis). Damit soll auch Erinnertes und Erwartetes
für Sie möglichst unmittelbar erlebbar werden - mit
all den Gefühlen, Empfindungen und Impulsen, die einem
beim "Nur-darüber-Reden" oft gar nicht zugänglich
sind. Gleiches gilt z. B., wenn Sie Erlebnisse und Konflikte
mit anderen Personen zum Thema machen - auch dann wird es in
der Regel darum gehen, diese in der Therapiestunde tatsächlich
anwesend und gegenwärtig erlebbar zu machen. Dies erleichtert
die Auseinandersetzung mit der Problematik und neue Einsichten
und Lösungsansätze. Die GTP gehört in diesem
Sinn zu den erlebnisaktivierenden Psychotherapie-Verfahren.
- In der GTP werden Ihre Vorstellungen, Wünsche, Phantasien
und Träume nicht als "nicht real" abgetan. Für
Ihr Erleben und Verhalten sind diese gleichermaßen real
und wirksam wie die sogenannten "objektiven Fakten".
Sie werden daher in der GTP auch genauso beachtet und respektiert
wie alles andere, was Ihre Erlebniswelt ausmacht und bestimmt.
- Ein erster Schritt zu einer positiven Veränderung Ihrer
Situation wird in der Regel darin bestehen, daß Sie mit
Unterstützung Ihrer Therapeutin neue Einsichten über
sich, ihre Situation und Ihre Möglichkeiten gewinnen. Aber
Einsichten allein bewirken nicht allzu viel. Es braucht auch
den Mut, neue Einsichten in tatsächliche Veränderungen
im Leben angemessen umzusetzen und für das eigene Erleben
und Verhalten und seine Auswirkungen Verantwortung zu übernehmen.
Die GTP versteht sich in diesem Sinn nicht nur als einsichtsförderndes
Therapieverfahren, sondern zugleich auch als unterstützendes
Verfahren zur praktischen Erprobung und Umsetzung gewonnener
Erkenntnisse und zur Förderung der Selbstverantwortung.
- Ihre Therapeutin versteht sich weder als unbeteiligte und
unberührte Expertin, die weiß und Ihnen sagt, was
in Ihrem Leben zu verändern ist, noch bloß als teilnahmsvolle
Zuhörerin Ihrer Lebensgeschichte. Sie wird als der Mensch,
der sie ist, mit all ihren persönlichen Eigenheiten und
Fähigkeiten in der Therapie präsent sein und Ihnen
nach bestem Wissen und Gewissen einen geschützten und förderlichen
Rahmen für die anstehenden Klärungen und Veränderungen
bieten. Das solidarische Arbeitsbündnis, das sie Ihnen
anbietet, wird nicht immer nur aus einfühlsamer Stützung,
Bestätigung, Förderung und Ermutigung bestehen. Wo
es für die Überwindung Ihrer Schwierigkeiten notwendig
ist, wird es in respektvoller Weise auch Widerspruch, Konfrontation
mit unangenehmen oder vermiedenen Themen und auch "Kampf"
geben - und jede Unterstützung, die Sie brauchen, um damit
zu Ihrem Nutzen umzugehen
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Die GTP wird in der Einzel-, Paar-, Familien- und
Gruppentherapie mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen angewendet.
Eine Liste Gestalttheoretischer Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten,
aus der Sie auch bestimmte Spezialisierungen entnehmen können,
finden Sie im Internet unter der Adresse
www.gestalttheory.net/oeagp/therapeutensuche.html |
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