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AGENDA 21 am Alsergrund Newsletter 01/2007
Arbeitslos: Viel zu tun!
AGENDA 21 am Alsergrund
Newsletter 01/2007
(PDF 944 KB)
Arbeitslos: Viel zu tun!
von Sabine Gruber
Wer meint, Arbeitslosigkeit heißt nichts zu tun, der irrt. Bei so vielen Fehlinformationen rund um das Thema Erwerbsarbeitslosigkeit hat man alle Hände voll zu tun. Die 2006 gegründete AGENDA-Gruppe SERVUS - Arbeitslose für Arbeitslose beschäftigt sich intensiv mit Armutsgefährdung und möglichen Lösungsansätzen. Um die Aufmerksamkeit auf ihre Situation zu lenken, lud die Gruppe im Mai 2007 zu einem Treffen mit BezirksrätInnen der Gesundheits- und Sozialkommission. Die Gruppe vernetzt sich mit anderen Initiativen und kooperiert eng mit der SHG_fMisL (Selbsthilfegruppe für Menschen in schwierigen Lebenssituaionen). Aus eigener Erfahrung können sie anderen Betroffenen hilfreiche Tipps geben (jeden Montag, 18.00 Uhr, altes AGENDA-Büro, Liechtensteinstr. 81). Warum sie sich für Bewusstseinsbildung rund um die steigende Erwerbsarbeitslosigkeit engagieren, obwohl oder gerade weil sie sich in schwierigen Situationen befinden, schildern sie Ihnen im Folgenden persönlich.
Aloisia K.: In Zeiten sinkenden Arbeitsvolumens (durch zunehmende Mechanisierung, Computerisierung, Auslagerung von Betrieben etc.) ist Erwerbsarbeitslosigkeit kein individuelles, sondern primär ein strukturelles Problem, d. h., es kann jede/n betreffen, unabhängig von der persönlichen Qualifikation. Arbeitsloseninitiativen wie SERVUS und SHG_fMisL leisten einen wertvollen Beitrag einerseits zur Hilfestellung für die Betroffenen (Rechtsberatung etc.), andererseits auf gesellschaftlicher Ebene zur Sichtbarmachung der Probleme erwerbsarbeitsloser Personen, welche bislang von keiner Institution umfassend vertreten werden.

Alfred W.: Seit 2002 bin ich arbeitslos, mit einem Einkommen unterhalb der Armutsgrenze. Beruflich komme ich aus dem Bereich Logistik und Lagerorganisation (Lagerleitung, Optimierung und Kontrolle von Arbeitsabläufen, Großkundenbetreuung usw.). Wegen gesundheitlicher Einschränkungen bin ich in diesem Bereich nicht mehr voll einsetzbar. Eine große Leidenschaft von mir ist die EDV, womit ich mich seit 1990 beschäftige. Mein derzeitiges Berufsziel ist EDV-Trainer. Ich habe in den letzten Jahren einige einschlägige Ausbildungen absolviert.

Johannes H.: Ich bin Teilnehmer der Selbsthilfegruppe geworden, weil ich anfangs einfach nur mit Leuten reden wollte, später habe ich in der Selbsthilfegruppe auch neue Leute kennen gelernt. Besonders wichtig ist mir, Informationen und Hilfe in Angelegenheiten zu erhalten, bei denen ich mich nicht oder zu wenig auskenne. Ich fotografiere gerne, gehe gerne spazieren, alleine oder - lieber noch - mit anderen und koche auch gerne in kleinen Gruppen.
Monika L.: Ich engagiere mich bei SERVUS, weil ich einmal arbeitslos war und die Probleme, die diese Situation mit sich bringt, erlebt habe. Ich wünsche mir von der Politik, dass SERVUS bestmöglich unterstützt wird, damit die sehr engagierten TeilnehmerInnen eine Informationsstelle für von Arbeitslosigkeit betroffene Menschen ins Leben rufen können.
Durch die umfangreiche Vernetzung von SERVUS mit anderen Initiativen möchten wir zur Entstigmatisierung von arbeitslosen Menschen und SozialhilfeempfängerInnen beitragen.
Rainer T.: Ich war und bin, wie viele Arbeitslose, vom Teufelskreis Arbeitslosigkeit - Armut - Isolation betroffen. Deshalb suchte ich einen Kreis von Menschen mit ähnlichen Erfahrungen und habe nun gleich zwei gefunden, welche noch dazu seit einiger Zeit kooperieren. Ich erwarte mir vor allem auf Grund der gemeinsamen Erfahrungen und Erlebnisse eine gegenseitige Hilfestellung und Solidarität, die ich bei SERVUS und der SHG_fMisL auch gefunden habe. Außerdem erwarte ich mir ein Nach-Außen-Gehen unter dem Motto: "Sichtbar werden".
Peter G.: Als Langzeitarbeitsloser bin ich von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen, zudem leide ich seit Jahren an Angstzuständen und schweren Depressionen. Durch gegenseitigen Erfahrungsaustausch und Hilfe zur Selbsthilfe können die TeilnehmerInnen der Selbsthilfegruppe darin unterstützt werden, mit ihrem Schicksal fertig zu werden. Wichtig ist aber auch die Vernetzung mit anderen Organisationen und Vereinen mit ähnlichen Zielsetzungen, um so die Kräfte zu bündeln und in der Öffentlichkeit sichtbar zu werden.
Links
SERVUS - Arbeitslose für Arbeitslose
SHG_fMisL (Selbsthilfegruppe für Menschen in schwierigen Lebenssituationen)