EU2007.DE EAPN
 

Peter Gach:
Meine prekäre Situation

Sehr geehrter Herr Bundesminister
 
Schulden
Nach zwei Todesfällen innerhalb eines Jahres bin ich 1989 wegen einer unrechtmäßig ausgesprochenen fristlosen Entlassung unverschuldet in Not geraten. Das ist der wahre Grund für meine lange Arbeitslosigkeit, für die schweren Depressionen, an denen ich seither leide, und für mein geringes Einkommen, das weit unter dem der Armutsschwelle liegt. In Österreich ist es für Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind, sehr schwer, wenn nicht gar unmöglich, wieder ein normales Leben führen zu können. Denn hierzulande sind die Bedingungen für eine Entschuldung extrem restriktiv, die Entschuldung selbst von zu langer Dauer.
 
Arbeitslosigkeit

Ich habe keine abgeschlossene Berufsausbildung und ich bin während meiner langen Arbeitslosigkeit vom AMS mehreren Kursen zugewiesen worden, aber nur einem einzigen, der tatsächlich als Besserqualifizierung bewertet werden kann. Das war im Jahre 1999 und führte leider zu keinem dauerhaften Dienstverhältnis.

 
Frühpension
Für den Arbeitsmarkt bin ich entweder zu alt oder zu krank und auch noch hoch verschuldet. Für die Frühpension bin ich aber immer noch zu gesund, wenn auch mit Einschränkungen. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Arbeitsmarkt solche Personen überhaupt aufnehmen kann. Bei der letzten Pensionsreform wurde die Pension aufgrund langer Arbeitslosigkeit ersatzlos gestrichen, ohne dass dafür gesorgt wurde, soziale Härtefälle "abzufedern". Das führt nun dazu, dass Betroffene, die wegen ihres Alters oder ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen am Arbeitsmarkt keine Chance mehr haben, auf den beschwerlichen Weg in die aussichtlose Frühpension geschickt werden.
 
Wohnen und Obdachlosigkeit

Am 2. Jänner 2007 erhielt ich eine Räumungsklage, weil ich aufgrund meiner geringen finanziellen Mittel mehrmals mit der Miete in Rückstand geraten bin. Bei der Verhandlung am 28. März haben wir uns auf einen Vergleich geeinigt. Damit ist zwar die Drohung der Obdachlosigkeit vom Tisch, meine Wohnsituation hat sich dadurch aber nicht verbessert. Aufgrund der langen Krise, in der ich mich wegen der zu Unrecht ausgesprochenen fristlosen Entlassung im Jahre 1989 immer noch befinde, ist die Wohnung in einem derart heruntergekommenen Zustand, der ein menschenwürdiges Leben nicht gewährleistet. Das notwendige Geld für dringende Reparaturen bzw. Neuanschaffungen steht mir nicht zur Verfügung. All diese Umstände sind die Ursache dafür, dass ich immer wieder an Schlaflosigkeit, Angstanfällen, schweren Depressionen und Panikattacken leide.

 
Hilfe zur Selbsthilfe
Obwohl meine persönliche Situation aufgrund zahlreicher Defizite keineswegs leicht ist, bin ich Leiter der SHG_fMisL (Selbsthilfegruppe für Menschen in schwierigen Lebenssituationen), die es nun schon seit September 2004 gibt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der SHG_fMisL sind erwerbsarbeitslose Menschen bzw. Menschen mit Sozialhilfebezug, die nicht nur von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht sind, sondern auch an den dadurch bedingten gesundheitlichen Defiziten leiden. Bei den wöchentlichen Treffen steht der gegenseitige Erfahrungsaustausch ebenso im Vordergrund wie die Unterstützung bei der Suche nach professioneller Hilfe, es wird aber auch eine kostenlose Rechtsberatung angeboten. Das ist insofern notwendig, weil besonders im Sozialhilfebereich der Aufklärungspflicht nur unzureichend nachgekommen wird, was vor allem Menschen trifft, die ohnehin schon schwer benachteiligt sind.
 
Vernetzung & Kooperationen
Die SHG_fMisL ist gegenwärtig vernetzt mit der Armutskonferenz und dem Wiener Bündnis gegen Depression, darüber hinaus gibt es eine enge Zusammenarbeit mit der Erwerbsarbeitslosen-Initiative SERVUS und der AGENDA 21 Alsergrund.
 
Links
SHG_fMisL (Selbsthilfegruppe für Menschen in schwierigen Lebenssituationen)
Die Armutskonferenz
Bündnis gegen Depression
SERVUS
AGENDA 21 Alsergrund