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| WeltWeites Wissen |
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| Heraklit hatte recht: Man kann nicht zweimal im
selben Internet surfen. Schier unerschöpfliche Quellen
sorgen ständig für neuen Nachschub. Ob Wasser oder
Informationen - alles ist ständig im Fluss. |
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| Das Wissen der Menschheit beschränkt sich
keineswegs bloß auf die Erkenntnisse einiger weniger Philosophen
aus dem antiken Griechenland, vielmehr war es immer schon einem
ständigen Wandel unterworfen, bis hin zum gegenwärtigen
Stand der Dinge. Damit hat sich im Laufe der Zeit eine ganze
Menge an Wissen angesammelt, welches im günstigsten Fall
als Grundlage für weitere Erkenntnisse dienen kann. Lange
Zeit wurde dieses wertvolle Gut der Menschheit fast ausschließlich
in Bibliotheken konserviert, womit es für die breite Öffentlichkeit
schlicht unzugänglich war, oder aber es wurde in bisweilen
nur sehr schwer verständlichen Fachpublikationen herausgegeben.
Dies änderte sich schlagartig mit der epochalen Erfindung
des Internet. Wenn uns das Medium Internet auch noch so modern
und heavy erscheinen mag, so baut es doch auf einer langen Tradition
auf und ist keineswegs so geschichtslos, wie es manchem erscheinen
mag. |
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| Blick zurück nach vorn |
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| Während die alten Griechen das Zählen
noch vertrauensvoll den Sklaven überließen, erfanden
u. a. die Römer bereits den abacus, womit das Rechnen erheb-lich
erleichtert wurde. |
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| Ab 1275 entwickelte der katalanische Mystiker
und Missionar Raimundus Lullus (Patron von Mallorca, Hl. für
Rat und Schutz, kath. Gedenktag: 3. Juli) die Ideen zu einer
logischen Maschine (Zairja), die er in seinem Werk Ars magna
beschrieb. Angeregt von den mathematischen Methoden der Araber,
entsprang die Konstruktion dem Wunsch nach einer schematischen
Erzeugung wahrer Aussagen. Durch systematische Anordnung von
Begriffen sollte zu einer übersichtlichen Erkenntnis und
in weiterer Folge zu einer Beweisführung der christlichen
Glaubenslehre gelangt werden: Damit wollte Raimundus Lullus
nicht mehr und nicht weniger als die Muslime von der Wahrheit
der christlichen Lehre zu überzeugen. Auf seiner letzten
Missionsreise wurde er gesteinigt und erlag den schweren Verletzungen
auf der Schiffsreise zurück in seine Heimat. |
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| Raimundus Lullus |
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| 1623 baute der deutsche Mathematiker Wilhelm Schickard
eine Rechenmaschine. Schickard war mit Johannes Kepler befreundet
und wußte daher, wieviel Zeit der berühmte Astronom
- und Astrologe Wallensteins - bei seinen nächtelangen
Berechnungen endloser Zahlenkolonnen verbrachte. Daher konstruierte
er eine sechsstellige Addier- und Subtrahiermaschine, die Kepler
dann auch bei seinen astronomischen Berechnungen einsetzte.
Leider wurde die Maschine kurze Zeit nach ihrer Fertigstellung
durch Feuer zerstört. |
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| Wilhelm Schickard |
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| 1642 baute der französische
Mathematiker und Philosoph Blaise Pascal im zarten Alter von
19 Jahren eine mechanische Rechenmaschine, mit der die einfachen
Grundrechenarten durchgeführt werden konnten. 1645 konnte
diese Machine Pascaline erstmals zum Kauf angeboten werden. |
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| Blaise Pascal |
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| Gottfried Wilhelm Leibniz, vermutlich der letzte
Universalgelehrte, erfand das duale Zahlensystem, bei dem nur
zwei Ziffern benutzt werden, 0 (nicht besetzt) und 1 (besetzt).
Leibniz kam über die geistige Auseinandersetzung mit der
Religion zu diesem Zahlensystem. Seine Devise: Ohne Gott ist
nichts. Für Gott setzte er die 1 und für das Nichts
die 0. Leibniz beschäftigte aber auch die Sprache und er
erkannte, daß sie ständig Fehler zuläßt.
Weiter gedacht: Verständigungsschwierigkeiten führen
zu Konflikten. Leibniz versuchte, die Auslöser von Konflikten
zu minimieren, ja ganz zu beseitigen. Dabei ging er von der
Annahme aus, daß unser Denken eigentlich ein Rechenvorgang
sein müßte. Damit war der Grundstein gelegt für
eine sichere und logische Symbolsprache, bei der jedem Wort
nur eine Bedeutung zukommt, so wie die Zahl 1 nur 1 bedeuten
kann. Daraus folgte das Dualsystem, ohne das die heutige Elektronik
und die Funktion von Computern nicht möglich wäre.
1694 stellte er seine nun technisch ausgereifte Rechenmaschine
der Öffentlichkeit vor. Damit ließen sich bereits
alle vier Grundrechenarten durchführen. Mit einem beweglichen
Wagen konnte die Position der einzelnen Stellen verschoben werden.
Diese Technik wird auch noch 300 Jahre nach Leibniz von den
Konstrukteuren der Rechenmaschinen benutzt. |
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| Gottfried Wilhelm Leibniz |
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| Der irische Schriftsteller Jonathan Swift erfand
das Wort Computer in der erstmals 1704 erschienen Satire "Ein
Tonnenmärchen". Darin verspottete er die modernen
Gelehrten, die im Unterschied zu den alten Gelehrten nichts
lesen und nicht denken, nur alles sammeln. Sie würden Bücher
nur hinten studieren, nur in Zusammenfassungen und Registern
blättern und daraus viele weitere Bücher machen. 1726
führte Swift in "Reisen zu mehreren entlegenen Völkern
der Erde" die riesige Maschine der Großen Akademie
von Lagado vor, die angeblich nach sorgfältiger Computation
konstruiert worden war und von 40 Studenten bedient wurde. Mit
ihrer Hilfe sollte "auch die unwissendste Person"
in der Lage sein, "mit mäßigem Kostenaufwand
und ein bißchen körperlicher Arbeit auch ohne die
geringste Hilfe von Begabung oder Studium Bücher über
Philosophie, Poesie, Politik, Recht, Mathematik und Theologie
zu schreiben." |
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| Jonathan Swift |
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| Matrix der riesigen Maschine der Großen Akademie
von Lagado (Jonathan Swift: Ausgewählte Werke, Bd.
3, Berlin u. Weimar 1967, S. 250) |
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| Yahoo, der Name einer der größten Suchmaschinen,
geht ebenfalls auf Jonathan Swift zurück, und zwar auf
den 4. Teil von "Gullivers Reisen", wo die menschenähnlichen
Diener der Houyhnhnms beschrieben werden. |
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| Yahoo! |
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| Charles Babbage entwarf 1822 zunächst nur
auf dem Papier ein Konzept für eine mechanische Rechenmaschine
mit zahlreichen Zahnrädern und Wellen für die Übertragung
der Bewegungen. Mit einer Kurbel sollte diese "Differenzmaschine"
in Gang gesetzt werden und Zahlenwalzen sollten das Ergebnis
anzeigen. 1844 veröffentlichte Babbage das Konzept einer
"Analytischen Maschine". Die Konstruktion hatte einen
Eingabestrom in Form eines Lochkartenstapels, einen Speicher
zur Datensicherung und ein Werk für arithmetische Operationen
sowie einen Drucker zur dauerhaften Aufzeichnung von Daten.
Babbages modern anmutende Überlegungen wurden von seinen
Zeitgenossen als Unsinn aufgefaßt. Auf seine Arbeiten
stieß man erst wieder, als die modernen Rechner bereits
konzipiert waren. |
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| Charles Babbage |
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| Bereits zu Beginn der Entwicklungsphase der Analytischen
Maschine fand die Begegnung Babbages mit Augusta Ada King, Countess
of Lovelace, der Tochter des exzentrischen Dichters Lord Byron,
statt. In der Folgezeit entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit,
wobei die "Zauberin der Zahlen" die Programme für
die Analytische Maschine entwarf. "Die Analytische Maschine,"
vermerkt sie einmal, "hat keinerlei Streben, irgend etwas
hervorzubringen. Sie kann alles tun, wovon wir wissen, wie wir
es ihr befehlen." Ada Lovelace kann als erste Programmiererin
überhaupt angesehen werden; 1979 wurde ihr zu Ehren eine
Programmiersprache auf den Namen ADA getauft. "Alles und
jedes steht ganz natürlich miteinander in Beziehung und
ist miteinander verquickt," schrieb Ada Lovelace in einer
Fußnote zu L. F. Menabrea´s "Skizzen der analytischen
Maschine" (1842/43). |
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| Augusta Ada King, Countess of Lovelace |
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| Wahr ist nicht nur: Man kann nicht zweimal im
selben Internet surfen, wahr ist vielmehr auch: Man kann nicht
einmal einmal im selben Internet surfen. |
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| Nachbemerkung |
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| Der Text wurde nach der beliebten Methode des
Ausschneidens und Einfügens (cut & paste) erstellt,
ausgenommen der Teil über Jonathan Swift, welcher in altmodischer
Manier aus Büchern abgeschrieben wurde. In allen Fällen
wurde jedoch gewissenhaft recherchiert, wofür sich der
Verfasser eigenhändig verbürgt. |
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Zeitstimmen der
Gegenwart. Zeitung von ida.wien-TeilnehmerInnen für InteressentInnen.
5. Ausgabe / Dezember 2004, S. 7-8 |
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